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Die alte Linie 6 im Findorff-Viertel


„Alles aussteigen bitte!“
Vor 50 Jahren fuhr in Findorff zum letzten Mal die Straßenbahn

Am 17. Juni 1967 fuhr in Findorff zum letzten Mal eine Straßenbahn. Es war die Linie 6, die auf ihrem Schienenweg über die Eickedorfer Straße, Hollerallee und Gustav-Deetjen-Allee zum Hauptbahnhof und weiter über am Am Brill, Langemarck- und Pappelstraße bis zu ihrer Endstelle in der Neustadt (Gastfeldstraße, Ecke Kirchweg) rollte.
Am nächsten Tag, den 18. Juni wurde dann die Liniennummer 6 an die bisherige Linie 16, Riensberg - Grolland, abgegeben. Ebenso wurde die bisherige Linie 15, Kulenkampffallee - Flughafen, zur seit 1964 freien Liniennummer 5 (bis dahin auch eine Findorffer Linie). Und nicht zu guter Letzt wurde die neue Linie 1 eingeweiht.

Der Stadtteil Findorff war seit vielen Jahrzehnten auf Schienen erreichbar gewesen. So nutzte die Hamburger Eisenbahnstrecke von 1873 bis 1889 die Trasse im Zuge der heutigen Fürther und Eickedorfer Straße und hatte etwa in Höhe der ÖVB-Arena (Stadthalle) einen eigenen Endpunkt, den Venloer Bahnhof. Ab dem Jahr 1900 bis 1954 wurde dieser Weg teilweise von der schmalspurigen Kleinbahn „Jan Reiners“, die bis nach Lilienthal und Tarmstedt verkehrte, genutzt.

Am 6. August 1913 folgte dann die Anbindung an das Bremer Straßenbahnnetz: Die neu eingerichtete Linie 9 fuhr von der Hemmstraße über Admiralstraße, Breitenweg, Hauptbahnhof, Am Dobben und Sielwall bis zur St.-Jürgen-Straße. Durch die zügige Stadterweiterung der Bremer Wohngebiete vor dem Ersten Weltkrieg wurde für den Stadtteil Findorff der Anschluss an das Straßenbahnnetz erforderlich. Die Endstelle befand sich in der Hemmstraße an der heutigen Kreuzung mit der Eickedorfer Straße.
Die einzeln fahrenden Triebwagen wurden gut angenommen. Die „9“ erbrachte von allen Straßenbahnlinien seinerzeit den zweithöchsten Kilometerertrag!

Im Jahr 1927 – vor 90 Jahren – wurde die seit 1890 bestehende Straßenbahnstrecke vom Bürgerpark bis zur Hemmstraße verlängert, so dass in Findorff eine Ringstrecke entstand. An der Kreuzung Hemmstraße / Eickedorfer Straße wurden die Gleise der Kleinbahn Bremen-Tarmstedt gekreuzt. Die neue Strecke führte vom Hauptbahnhof über Bürgerpark, Eickedorfer Straße und weiter wie vordem über Hemmstraße, Admiralstraße durch die Findorffunterführung und Breitenweg zurück zum Hauptbahnhof. Das ermöglichte auch die Neuordnung des Liniennetzes. Die „9“ wurde allerdings eingestellt. Ihre Strecke übernahmen jedoch andere Linien. Findorff wurde fortan von den Straßenbahnlinien 5 und 6 im Ringverkehr erschlossen. Die Strecke durch die Admiralstraße lief so gut, dass die Linien 5 und 6 dort von der "15" verstärkt wurden. Den westlichen Abschnitt zwischen dem Hauptbahnhof und dem Steintor übernahm die Straßenbahnlinie 10 – und so ist es bis heute geblieben. Eine weitere Veränderung gab es im Jahr 1952. Fortan bedienten die Linien 5, 6 und 7 den Stadtteil Findorff. Die Linien 5 und 7 fuhren im Ringbetrieb (Linie 5 über Eickedorfer Straße und Admiralstraße, die Linie 7 entgegengesetzt). Die „6“ verstärkte den über den Bürgerpark führenden Ast. Nach einem Umbau 1960 fuhr die Straßenbahn in der Eickedorfer Straße ganz modern auf einem besonderen Bahnkörper unabhängig vom Autoverkehr.
Bereits 1964 entfiel jedoch die Linie 5. Die „7“ fuhr daher in beiden Richtungen über die Admiralstraße. Um das zeitraubende Rangieren an der Endstelle zu ersparen, wechselten die Züge an der Endstelle Hemmstr. ihre Liniennummern von 6 nach 7 und umgekehrt.

Das „Aus“ für die Straßenbahn im Stadtteil Findorff kam in zwei Schritten: Die Linie 7 trat im Jahr 1965 ihre letzte Fahrt an, die Linie 6 folgte 1967. Die Busse der Linien 25 und 26 ersetzten sie. Damit hatte der Stadtteil seine Anbindung per Schiene verloren.

Ausführlicher Bericht in unserer "Elektrische" Ausgaben 7+9